Ein Reisebericht

Vom 9.10. bis 11.10. führte uns unsere Sehnsucht nach Großem in die kleine italienische Stadt Assisi…..

Als angekündigt wurde, dass im Oktober ein neuer Seliger in die Schar derer, die ihr Ziel erreicht haben, aufgenommen werden sollte, war die Freude groß. Noch dazu, weil es sich um einen Jugendlichen handelte, der aus unserer heutigen Zeit kommt, der in einer Gesellschaft gelebt hat, die die unsere ist. Es schien allerdings von Anfang an eine recht unsichere Sache zu sein, ob wir von Deutschland aus daran teilnehmen würden können. Diese Jahr 2020 ist ziemlich unbeständig und die Regelungen und Umstände ändern sich von Stunde zu Stunde. Täglich haben wir die offizielle Homepage besucht und Erkundigungen eingezogen, ob wir nach Assisi fahren könnten. Würde die Feier trotz der Kontaktbeschränkungen im Zusammenhang mit der Corona Pandemie stattfinden können? Wäre es erlaubt, dass wir aus Deutschland dort hin fahren?
Eine Woche vor dem Tag war es endlich klar: Die Feier würde stattfinden und wir würden aus Deutschland fahren. Voller Freunde haben wir die Vorbereitungen konkret getroffen: ein Auto reservieren und mieten, eine Liste erstellen, welche Dinge wir unbedingt mitnehmen müssten, Reiseroute studieren und was man sonst noch so vor einer Reise an Überlegungen anstellt.
Und dann kam plötzlich doch noch ein Hindernis: die italienischen Veranstalter der Seligsprechung verlangten drei Tage vor der Veranstaltung einen Nachweis für einen negativen Corona-Test. Da legst di nieda! Woher sollten wir so schnell einen Test bekommen? Und was, wenn einer von uns plötzlich einen positiven Test bekäme? Gott sei Dank hat Anna wie immer gute Kontakte und konnte uns schnell über ihren Hausarzt einen Schnelltest organisieren. Innerhalb von einer viertel Stunde hatten wir alle bestanden: negativ! Puh, das wäre geschafft!


Am Freitag Mittag begann dann unsere Fahrt nach Assisi. Mit einem Leihwagen, einem Volvo, sind wir direkt nach Assisi gefahren. Naja, ganz direkt war es nicht: Wir haben einen kleinen Umweg über den Vesuv gemacht 🙂 (grins). Vor lauter Aufregung haben wir nämlich die Ausfahrt nach Assisi verpasst, so dass wir einen Umweg von einer Stunde gemacht haben. Leider war es dunkel und von Italy by night haben wir auf dieser Route nichts gesehen. Aber gut, unsere Unterkunft ist nicht weggelaufen, und nachdem wir sie endlich gefunden hatten, legten wir schnell unsere Sachen dort ab, machten uns ein wenig frisch und fuhren anschließend zum Vorort Maria degli Angeli. Was lag näher, als uns zunächst in einer kleinen Pizzeria zu stärken. Ma che buona la pizza! Mit einer warmen Mahlzeit im Magen machten wir uns auf zu einer kleinen Erkundigungetour. Wir kamen direkt zum Kirchplatz der Basilika, in der die Porziuncola steht. Das ist die Kapelle, die der heilige Franziskus wieder aufbaute, nachdem er von Christus die Worte hörte: „Franziskus, geh und baue mein Haus wieder auf, das, wie du siehst, ganz und gar in Verfall gerät.“ Vor der Kirche waren große Leinwände aufgestellt und es lief gerade ein Festival zu Ehren des neuen Seligen. Es wurde ein Ballett aufgeführt, anhand dessen die Geschichte von Carlo Acutis erzählt wurde. Zwische den Tanzeinlagen traten verschieden Leute ans Mikrofon und gaben Zeugnisse. Als wir kamen, erzählte gerade ein Herr über seinen Erfahrung mit Carlo und welche Bedeutung er für sein Leben hatte. Er und seine Frau konnten keine eigenen Kinder bekommen, aber sie haben sich sehr großzügig anderer Kinder angenommen, die selbst keine Eltern haben. Es sind Kinder, die alle die eine oder andere Form einer Behinderung haben. So erzählte er beispielsweise von seinem Sohn, der so stark behindert ist, dass er total auf Hilfe von anderen angewiesen ist. Er kann nicht sprechen und sich nicht bewegen, aber jedes Mal wenn sein Vater zu ihm kommt, in der Früh, um ihn zu waschen und anzuziehen, wenn er aus der Arbeit nach Hause kommt, wenn er ihn abends zu Bett bringt, dann lächelt dieser Junge ihm immer zu. Er hat eine tiefe und echte Freude am Leben und an seinen Mitmenschen, mehr als andere, die körperlich ganz gesund sind. Des weiteren hat dieses Ehepaar ein Mädchen angenommen, die aufgrund einer familiären Tragödie ein Bein verloren hatte. Dieses Mädchen dachte, das das Leben mit nur einem Bein für sie nun vorbei sei. Sie fühlte sich sehr hässlich. Aber durch die Liebe, die sie in ihrer neuen Familie erfahren konnte, entdeckte sie erneut das Glück und die Schönheit des Lebens. Inzwischen ist sie selbst verheiratet. Es war wirklich beeindruckend. Mit seiner Geschichte zeigte dieser Familienvater, was auch Carlo Acutis in seinem Leben hat sichtbar werden lassen: die Sorge um die andern und das Bemühen, den Mitmenschen froh zu machen, ist das, was zählt.

Bevor dann der Bischof einer Ansprache hielt, traten zwei Sänger auf. Die Lieder, die sie vortrugen, waren sehr stimmungsvoll und gleichzeitig mit sehr tiefen Texten über das Vertrauen auf Gott und die Liebe, die sich in der Hingabe an Gott und die Menschen zeigt. Wie diese Aspekte im Leben von Carlo Acutis eine Rolle gespielt hatten, predigte also der Bischof. Besonders schön sprach er über die persönliche Berufung eines jeden Menschen, mit der Gott jeden persönlich ruft und zur Mitarbeit einlädt. Davon, dass wir in jedem Augenblick versuchen, den Willen Gottes zu erkennen und in die Tat umzusetzen, hängen viele Dinge ab. Wie schön ist doch wirklich diese Botschaft, und wie ermutigend für die Jugendlichen, die im Leben der Kirche und der Welt wichtig sind und mit Gottes Hilfe eine große Aufgabe erfüllen können.
Durch das ganze Programm führten zwei Moderatoren, die immer wieder die Zuhörer und Zuschauer einluden, die Beichtgelegenheit, die während dessen in der Kirche stattfand, zu nutzen. Während der gesamten Veranstaltung wurde nicht einmal ein kirchenpolitisches oder gesellschaftlich brisante Themen angesprochen. Es ging nur um die wirklich wesentlichen Dinge: um die Liebe zu Gott und seine Liebe zu uns, um die Eucharistie, um die Beichte, um die Mutter Gottes und um die Nächstenliebe. Das Festival endete mit einer dreiviertelstündigen Anbetung. Das Allerheiligste wurde in einer Monstranz, die die Form des Kreuzes von Assisi hatte, nach draußen auf den aufgebauten Alter gebracht. Auf dem gesamten Platz herrschte eine tiefe Andacht. Zum Schluss bekamen wir den Segen.
Dann fuhren wir auch schon wieder in unserer Unterkunft, damit wir uns für den morgigen Tag erholen konnten.

Und dann kam der Samstag, der Tag der Seligsprechung. Raus aus dem Bett, frisch gemacht, gut gefrühstückt und ab zum Kulturzentrum, um unsere Eintrittskarten für die Seligsprechungsmesse abzuholen. Die Registrierung fand in der großen Halle statt, zu der aber jeweils nur eine Person aus jeder Gruppe Zutritt hatte. Sicherheitspersonal achtete gründlichst auf die Ordnung beim Zutritt in die Halle und in der Halle. Allerdings knuddelten sich die Leute vor dem Eingang in einer langen Schlange und man kam sofort ins Gespräch: wir konnten 2 junge Frauen aus Brasilien interviewen, dem Land, indem das entscheidende Wunder geschehen war. In einem kleinen Dorf in Brasilien war nämlich ein Junge von einer Missbildung eines inneren Organs geheilt worden. Der Pfarrer der Gemeinde hatte eine tiefe Verehrung zu Carlo und hatte seine Gemeindemitglieder aufgerufen, zu diesem Jugendlichen für eine Heilung zu beten. Und tatsächlich, als der kranke Junge das nächste Mal ins Krankenhaus kam, war die Missbildung einfach verschwunden. Medizinisch ist das nicht erklärlich. Während wir mit diesen beiden jungen Frauen redeten, näherte sich eine andere Frau, die ebenfalls etwas zu erzählen hatte: Sie war eine Freundin der Familie Acutis und hatte Carlo selbst erlebt. Sie erinnerte sich, wie er als kleiner Junge Nachhilfe in Mathematik in ihrem Haus bekam. Allerdings fragte sich alle, warum er überhaupt zur Nachhilfe käme. Er wusste selbst viel mehr als alle anderen.
Endlich kamen wir an die Reihe, um unsere Registrierung abzuschließen. Das ging alles sehr schnell: innerhalb von 3 Minuten hatte Anna alle unsere Unterlagen und Eintrittskarten abgeholt. Erstaunlicherweise wollte niemand unsere negativen Coronatests sehen, na toll!
Egal, jetzt nur schnell nach Assisi, um die Stadt zu erkunden: Wir fingen an mit der Kathedrale. Vor dem Tabernakel hielten wir eine halbe Stunde Gebet. An dem Leichnam von Franz von Assisi konnten wir auch schnell vorbei gehen. Stehen bleiben durfte man nicht, damit sich keine Massen bildeten. Die armen Aufpasser! So manch einer verzweifelte ein wenig, weil nicht alle Touristen und Pilger die Laufrichtung in der Kirche verstanden. Proca miseria!
Anschließend klapperten wir noch ein paar Souvenierläden ab, ließen uns die Spezialitäten aus Assisi schmecken, und machten uns dann auf den Weg zu Santa Maria Degli Angeli, wo wir die Plätze für die Feier der Seligsprechung hatte. Die Zeit vor der Messe nutzten wir, um ins Gespräch mit anderen Teilnehmern zu kommen. Ich fragte ein junges Mädchen von vielleicht 12 oder 13 Jahren, was für sie Carlo bedeute. Und ich fragte sie, ob sie auch glaube, dass sie heilig werden können. Diese Frage überraschte sie etwas, sie machte ein skeptisches Gesicht. Auf die Idee, dass auch sie zur Heiligkeit berufen ist, ist sie wohl noch nicht gekommen. Aber vielleicht bringt sie Carlo ja auf die richtige Idee. Dann sah ich ein Mädchen, das einen Pullover mit einer deutschen Aufschrift trug. Ich sprach sie an. Es stellte sich heraus, dass sie tatsächlich aus Deutschland kam und mit 4 weiteren Freunden spontan zu dieser Seligsprechung gefahren waren. Ich hätte gedacht, dass wir die einzigen Deutschen seien. Aber nein: es gab sogar noch eine weitere Gruppe aus Kempten im Allgäu komme Der Pfarrer erzählte uns, dass sie dabei seien, die Ausstellung von Carlo übersetzen zu lassen. Vielleicht kann dann nächstes Jahr auch in Deutschland dieser Ausstellung über die Eucharistischen Wunder gezeigt werden. Wir tauschten die Adressen aus, um in Kontakt zu bleiben und auch in München eine Ausstellung vorzubereiten und zu organisieren.

Als die Messe vorbei war, sind nicht etwas alle still und heimlich nach Hause gegangen. Oh nein, es folgte eine open air Party: Die Feier, dass es wieder einer geschafft hat und im Himmel ist, war in vollem Gange. Da soll mein einer sagen, wir Christen wären Spielverderber!

Abends trafen wir uns mit Jugendlichen aus Palermo und Rom zusammen zum Pizza-essen (von echter italienischer Pizza kann man einfach nicht genug bekommen!). Trotz der Sprachbarriere haben wir uns sehr gut verstanden, Kontakte ausgetauscht, und viel miteinander gelacht. Um 11 waren wir dann recht müde, verabschiedeten uns und machten uns auf in die Unterkunft, wo wir noch mit einem Sekt noch einmal auf den neuen Seligen angestoßen haben.
Am Sonntag, machten wir uns nach dem Frühstück auf dem Weg nach Assisi, wo wir die Sonntagsmesse besuchen und einen Besuch beim Leichnahm von Carlo Acutis machen wollten. Mit letzterem fingen wir an und das war eine gute Entscheidung, denn als wir aus der Messe zurück kamen, hatte sich die Schlange über 2 weitere Gassen verlängert.

Die Rückfahrt verlief ohne weitere Probleme. Abwechselnd hat jede von uns mal tief geschlafen, denn die vielen Ereignisse hatten wirklich einen großen Eindruck hinterlassen, die mussten auch erst mal verarbeitet werden. Aber wir waren sehr glücklich.

Eure Elisabeth